Anna-Lena Klapdor

Der Laptop ist aufgeklappt. Der Blick geht ins Leere. Finger sind unentwegt an den eigenen Fingernägeln zugange. Das ist Anna-Lena in ihrem „natürlichen“ Gehege.
Sie begann als Anna, weil es zu viele Anna-Lenas gab, wurde dann aber zu Anna-Lena, weil sie die Nase voll davon hatte, immer nur halb gemeint zu sein. Inzwischen ist es ihr egal. Sie studierte das Theater und die Literatur und lernte viel über ephemere Identitäten und den Konstruktcharakter von so ziemlich allem. Ob das etwas mit ihrer Hinwendung zu chorischen Formaten zu tun hatte, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls beschloss sie, eine szenische Forscherin zu werden, und arbeitet seitdem unentwegt an Epistemen und Methoden einer solchen Forschung. Ihre erste folgenreiche Erkenntnis: Jede Frage nach dem Was muss um die Frage nach dem Wie erweitert werden. Ihre Arbeit mit Sprechchören in der Tradition von Einar Schleef erzählt also immer auch vom Prozess der Genese, wie genau es so kommen konnte. Aber wir schweifen ab. Während Anna-Lena noch mit Studium beschäftigt war, traf sie Anna Kpok an der U-Bahn Station Bochum Hauptbahnhof. Sie kannten sich schon aus dem Fachschaftsrat und vom Tutorium, es war erst Anna-Lenas zweites Semester. Anna Kpok sagte, sie suche noch Performer*innen für ein Projekt über Selbsterzählung und das ideologische Projekt „Mensch“. Anna-Lena fühlte sich geschmeichelt, angesprochen worden zu sein, und sagte zu. Sie und Anna entdeckten schnell die Überschneidungen in den Fragen, die sie an sich, die Gesellschaft und das Universum stellten, und eine Fortsetzung der Arbeit ergab sich wie von selbst. Seitdem ist Anna-Lena immer wieder auch Anna Kpok. Sie hat Ideen, schreibt gerne Texte und packt gerne zu. Wenn sie nicht Anna Kpok ist, ist sie Anna-Lena Klapdor, die eine Hälfte von Klapdor+Klapdor. Und wenn sie an einem freien Tag dennoch am Schreibtisch sitzt und ins Leere starrt, dann ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit gerade Helena Khan. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fotocredits: Heike Kandalowski